Was versteht man genau unter Scalping Trading und welche Art von Trades gehören dazu?

Scalping ist eine besonders kurzfristige Form des Intraday-Tradings. Eine Position wird eröffnet, um eine kleine Kursbewegung mitzunehmen, und meistens nach wenigen Sekunden oder Minuten wieder geschlossen. Laut CME bedeutet Scalping, Positionen sehr schnell für kleine Gewinne auf- und abzubauen; Positionen werden üblicherweise nicht über Nacht gehalten. CME Group

Woran erkennt man einen Scalping-Trade?

Entscheidend ist nicht allein der verwendete Zeitrahmen, sondern der gesamte Handelsansatz:

  • kurze Haltedauer: Sekunden bis wenige Minuten
  • kleines, vorab bestimmtes Kursziel
  • enger beziehungsweise klar definierter Stop-Loss
  • Ein- und Ausstieg innerhalb derselben Handelssitzung
  • Konzentration auf kurzfristige Kursimpulse
  • häufig mehrere Handelsversuche pro Sitzung
  • Ausführung manuell, halbautomatisch oder vollautomatisch
  • Long- und Short-Trades sind möglich

Ein Trade ist also nicht automatisch Scalping, nur weil er im 1-Minuten-Chart eröffnet wurde. Wird die Position beispielsweise 45 Minuten gehalten und auf eine größere Tagesbewegung spekuliert, ist das eher ein kurzfristiger Daytrade.

Typische Scalping-Trades

  1. Box-Breakout-Scalp
    Der Kurs verlässt eine zuvor definierte Handelsspanne. Der Trader versucht, den ersten kurzen Bewegungsimpuls nach dem Ausbruch mitzunehmen.
  2. Pullback- oder Retest-Scalp
    Nach einem Ausbruch kehrt der Kurs kurz zur Ausbruchszone zurück. Der Einstieg erfolgt beim erwarteten Abprall in Richtung des ursprünglichen Ausbruchs.
  3. Range-Scalp
    Innerhalb einer Seitwärtsphase wird an der unteren Box-Grenze gekauft oder an der oberen Grenze verkauft. Das Ziel liegt innerhalb der Handelsspanne.
  4. Fehlausbruch-Scalp
    Der Kurs verlässt eine Box nur kurz und kehrt anschließend wieder zurück. Der Trader handelt die Gegenbewegung zurück in die Box.
  5. Momentum-Scalp
    Eine schnelle Bewegung mit erhöhter Dynamik wird kurzfristig gehandelt. Solche Situationen treten beispielsweise rund um Markteröffnungen auf.
  6. Trend-Scalp
    Innerhalb eines kurzfristigen Auf- oder Abwärtstrends werden kleine Rücksetzer für einen Einstieg in Trendrichtung genutzt.
  7. News- oder Volatilitäts-Scalp
    Sehr schnelle Kursbewegungen rund um Wirtschaftsnachrichten werden gehandelt. Diese Variante ist besonders riskant, weil sich Spreads ausweiten und Orders zu ungünstigeren Kursen ausgeführt werden können.
  8. Orderflow- oder Liquiditäts-Scalp
    Einstiege werden anhand kurzfristiger Veränderungen im Orderbuch, Handelsvolumen oder Kauf- und Verkaufsdruck vorgenommen. Das erfordert meist sehr schnelle Daten und Ausführung.

Beispiel für einen DAX-Scalp

Der DAX bildet zur Markteröffnung eine klar definierte Box. Anschließend bricht der Kurs über die obere Begrenzung aus:

  • Einstieg nach dem Ausbruch oder einem kurzen Rücklauf
  • Stop-Loss knapp hinter der definierten Ungültigkeitszone
  • kleines, vorher festgelegtes Kursziel
  • Ausstieg nach wenigen Minuten
  • keine Übernacht-Position

Das wäre ein typischer Box-Breakout-Scalp. Wird hingegen versucht, die gesamte Bewegung des Vormittags zu handeln, handelt es sich eher um Daytrading.

Abgrenzung zu anderen Handelsstilen

Handelsstil Typische Haltedauer Hauptziel
Scalping Sekunden bis wenige Minuten kleine, kurzfristige Bewegungen
Daytrading Minuten bis mehrere Stunden größere Intraday-Bewegungen
Swing-Trading mehrere Tage bis Wochen mittelfristige Marktbewegungen
Positionstrading Wochen bis Monate langfristige Trends

Die Übergänge sind fließend. „Unter einer Stunde“ ist deshalb nicht automatisch Scalping.

Besonders wichtig beim Scalping

Weil die Kursziele klein sind, wirken sich Spread, Provision, Slippage und Ausführungsverzögerungen besonders stark aus. Bei häufigem Handel können Transaktionskosten einen zunächst profitablen Ansatz in einen Verlust verwandeln. Automatische Systeme bringen zusätzlich technische und parametrische Risiken mit sich. Investor.gov/SEC

Außerdem können Hebel schon kleine Kursbewegungen stark auf Gewinne und Verluste übertragen. Daytrading beziehungsweise sehr kurzfristiges Trading kann daher in kurzer Zeit erhebliche Verluste verursachen. Investor.gov

Wichtiger sprachlicher Hinweis: Die BaFin verwendet „Scalping“ außerdem für eine Form der Marktmanipulation, bei der jemand ein Finanzinstrument empfiehlt oder bewirbt und dabei eigene wirtschaftliche Interessen verschweigt. Das ist eine andere Bedeutung als die hier beschriebene kurzfristige Handelsstrategie. BaFin

Für eure RMP-Kommunikation wäre diese Definition passend:

Scalping bezeichnet sehr kurzfristige Intraday-Trades, mit denen kleine Kursbewegungen innerhalb weniger Sekunden oder Minuten regelbasiert gehandelt werden. Dazu zählen insbesondere Box-Breakouts, Rückläufe, Fehlausbrüche, Range-Trades und kurzfristige Momentum-Bewegungen.